Der DERIX Campus ist ein zukunftsweisendes Büro- und Schulungsgebäude am Hauptstandort Niederkrüchten. Es ergänzt die bestehende Firmenzentrale um moderne Arbeits- und Kommunikationsflächen sowie eine Lagerhalle. Der Neubau wurde nach höchsten Nachhaltigkeits- und Zirkularitätsgrundsätzen konzipiert: von der Verwendung von PEFC-zertifiziertem Holz über zirkuläre Konstruktionsprinzipien bis zur Rückbau- und Wiederverwendbarkeit aller Bauteile. Der Campus steht für Innovation, Ressourcenschonung und eine Architektur, die Holz als klimafreundlichen Baustoff in den Mittelpunkt stellt.
Handlungsfeld Nachhaltigkeit
Dieses Projekt leistet in den folgenden Handlungsfeldern einen Beitrag zur Nachhaltigkeit:
Beitrag des Projekts zum Thema „Ressourcen und Zirkularität“
Der DERIX Campus wurde konsequent nach den Prinzipien des zirkulären Bauens entwickelt und verfolgt das Ziel, Ressourcen möglichst lange im Nutzungskreislauf zu halten. Bereits in der Planung wurden langfristige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit berücksichtigt: Ein flexibler Grundriss sowie modulare Innenwände ermöglichen zukünftige Nutzungsänderungen ohne umfassende Umbaumaßnahmen und tragen dazu bei, Leerstand zu vermeiden.
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die vollständige Transparenz der eingesetzten Materialien. Sämtliche wesentlichen Bauteile werden digital über Madaster erfasst und in einem Gebäuderessourcenpass dokumentiert. Dadurch bleiben Materialqualitäten, Mengen und Wiederverwendungspotenziale langfristig nachvollziehbar. Gleichzeitig folgt die Konstruktion konsequent dem Design-for-Disassembly-Prinzip: Verbindungen sind lösbar ausgeführt und eine detaillierte Rückbauanleitung ermöglicht die sortenreine Trennung sowie die Wiederverwendung von Bauteilen am Ende der Nutzungsphase.
Die Materialwahl orientiert sich an den Kriterien Kreislauffähigkeit, Ressourcenschonung und Gesundheitsverträglichkeit. Zum Einsatz kommen emissionsarme und zertifizierte Baustoffe sowie biobasierte Verbindungstechnologien. Das Tragwerk besteht nahezu vollständig aus PEFC-zertifiziertem Brettschichtholz und Brettsperrholz und nutzt damit einen nachwachsenden Rohstoff mit hoher Ressourceneffizienz. Ergänzend werden recyclingfähige Aluminiumfenster mit Recyclinganteilen sowie weitere rückbaufähige Baustoffe eingesetzt.
Darüber hinaus wurden Holz- und Stahlverbindungen sowie Fassadenelemente für einen späteren Wiedereinbau dimensioniert. Für die eingesetzten Holzmodule bestehen etablierte Rücknahmekonzepte innerhalb der DERIX-Gruppe, die eine zukünftige Wiederverwendung ermöglichen. Der DERIX Campus zeigt damit beispielhaft, wie digitale Materialdokumentation, kreislauffähige Konstruktion und nachhaltige Materialwahl zu einem ganzheitlichen Konzept für ressourcenschonendes Bauen verbunden werden können.
Beitrag des Projekts zum Thema „Klimaschutz“
Der DERIX Campus steht beispielhaft für klimafreundliches und ressourcenschonendes Bauen. Das nahezu vollständig aus Holz errichtete Tragwerk speichert langfristig CO₂ und ermöglicht dadurch eine besonders günstige Klimabilanz. Im Rahmen einer Lebenszyklusanalyse (LCA) wurde die Klimawirkung des Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus untersucht. Dabei zeigt sich, dass durch den hohen Einsatz von Holz in Tragwerk, Fassade und Dämmung sowie durch die Verwendung weiterer klimafreundlicher und rezyklierter Materialien selbst nach einer angenommenen Nutzungsdauer von 50 Jahren ein klimapositiver Gebäudefootprint erreicht wird. Ergänzend reduzieren kurze Transportwege, ressourceneffiziente Baustoffe und energieoptimierte Produktionsprozesse den ökologischen Fußabdruck des Gebäudes. Die Freianlagen wurden mit heimischen Pflanzen, Grünflächen und Versickerungsbereichen biodiversitätsfördernd gestaltet und schaffen wertvolle Lebensräume für Insekten und Vögel. Gleichzeitig erhöhen eine robuste Holzkonstruktion, reversible Anschlüsse sowie passive Maßnahmen wie Verschattung und ein optimiertes Energiekonzept die Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Klimaveränderungen.
Beitrag des Projekts zum Thema „Komfort und Gesundheit“
Der DERIX Campus wurde konsequent auf Gesundheit, Wohlbefinden und Nutzerkomfort ausgerichtet. Emissionsarme Holzprodukte, formaldehydfreie Verleimungen sowie baubiologisch geprüfte Materialien bilden die Grundlage für eine hohe Innenraumluftqualität. Ergänzend kommen Lehmbaustoffe in den Trennwänden zum Einsatz, die gemeinsam mit den sichtbaren Holzoberflächen zu einem ausgeglichenen und natürlichen Raumklima beitragen. Zudem kommen VOC-geprüfte Oberflächen zum Einsatz, sodass die Anforderungen an TVOC- und Formaldehydwerte voraussichtlich deutlich unterschritten werden. Eine entsprechende Messung nach Fertigstellung ist vorgesehen.
Auch hinsichtlich Akustik und Tageslicht wurden hohe Qualitätsstandards umgesetzt. Die schallschutzgeprüfte Konstruktion erfüllt die Anforderungen moderner Büroumgebungen, während Holzoberflächen in Kombination mit absorbierenden Elementen für eine angenehme Raumakustik sorgen. Großzügige Fensterflächen und Oberlichter gewährleisten eine optimale Tageslichtversorgung und schaffen helle, attraktive Arbeitsbereiche. Ein besonderes Merkmal des Gebäudes ist die innovative Holz-Lehm-Klimadecke. In dieser Konstruktion wird die Luft durch die Kombination beider natürlichen Materialien geführt und auf natürliche Weise vorkonditioniert. Die feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften von Holz und Lehm unterstützen dabei ein behagliches Raumklima und tragen zur hohen Aufenthaltsqualität für die Nutzerinnen und Nutzer bei.
Die späteren Nutzerinnen und Nutzer wurden frühzeitig in die Planung eingebunden. Workshops und Bedarfserhebungen zur Gestaltung von Arbeitsplätzen, Besprechungsflächen und Aufenthaltsbereichen ermöglichten eine bedarfsgerechte Ausrichtung des Gebäudes. Ergänzt wird das Konzept durch nachhaltige Mobilitätsangebote wie überdachte Fahrradstellplätze, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, Stellplätze für Fahrgemeinschaften sowie die Vorbereitung von Carsharing-Angeboten.
Beitrag des Projekts zum Thema „Energie“
Der DERIX Campus wird vollständig mit Ökostrom versorgt und nutzt energieeffiziente Gebäudetechnik für einen ressourcenschonenden Betrieb. Ergänzend reduzieren passive Klimastrategien, die wärmespeichernden Eigenschaften der Holzkonstruktion sowie eine optimierte Gebäudeplanung den Energiebedarf bereits durch die Bauweise selbst. LED-Beleuchtung mit intelligenter Steuerung unterstützt zusätzlich einen effizienten Betrieb. In Verbindung mit der firmeneigenen Klimastrategie, die CO₂-Bilanzierung, Kompensationsmaßnahmen und eigene Carbon-Removal-Zertifikate umfasst, ist der Campus bilanziell klimaneutral ausgelegt. Perspektivisch wird zudem die Integration eigener Photovoltaikanlagen geprüft, um die Eigenversorgung mit erneuerbarer Energie weiter auszubauen.
Beitrag des Projekts zum Thema „kostenoptimiertes Planen und Bauen“
Im Rahmen der Planung wurde eine umfassende Lebenszykluskostenbetrachtung durchgeführt, die neben den Investitions- und Betriebskosten auch die langfristige Werterhaltung des Gebäudes berücksichtigt. Darüber hinaus wurden CO₂-Kosten als ökologisch-ökonomischer Bewertungsmaßstab in die Entscheidungsprozesse integriert, um ressourcen- und klimaschonende Materiallösungen angemessen zu berücksichtigen und nicht ausschließlich nach wirtschaftlichen Kriterien zu bewerten.
Ergänzend wurde für den DERIX Campus ein Monitoringkonzept entwickelt, das die Inbetriebnahme und Einregulierung der gebäudetechnischen Anlagen sowie die kontinuierliche Erfassung und Auswertung relevanter Betriebsdaten umfasst. Dadurch können Energieverbräuche und Anlagenleistungen laufend überwacht und optimiert werden, um einen effizienten und wirtschaftlichen Gebäudebetrieb über den gesamten Lebenszyklus sicherzustellen.
Prozessinnovationen:
Der DERIX Campus steht für einen innovativen Planungs- und Umsetzungsprozess, in dem Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Wirtschaftlichkeit von Beginn an gemeinsam betrachtet wurden. Bereits in frühen Projektphasen wurden Materialkreisläufe, CO₂-Bilanzen, Rückbaupotenziale und Lebenszykluskosten systematisch in die Entscheidungsprozesse integriert. Die digitale Dokumentation sämtlicher Bauteile ermöglicht eine durchgängige Nachverfolgbarkeit und schafft die Grundlage für zukünftige Wiederverwendungsszenarien.
Ein hoher Vorfertigungsgrad der Holzbauelemente sowie die modulare Gebäudestruktur ermöglichten eine präzise Planung, eine effiziente Bauabwicklung und reduzierte Montagezeiten. Gleichzeitig konnten Qualitätssicherung, Materialeffizienz und spätere Anpassungsfähigkeit des Gebäudes verbessert werden. Ergänzend wurden innovative Ansätze wie biobasierte Verbindungstechnologien sowie Product as a Service-Modelle für einzelne Gebäudekomponenten untersucht und teilweise umgesetzt.
Der DERIX Campus zeigt damit beispielhaft, wie digitale Planung, industrielle Vorfertigung, Lebenszyklusdenken und Kreislaufwirtschaft in einem integrierten Projektansatz zusammengeführt werden können und zeigt beispielhaft, wie digitale Planung, industrielle Vorfertigung und Kreislaufwirtschaft bereits in frühen Projektphasen miteinander verknüpft werden können.
Herausforderungen des Projektes:
Die nachhaltige Ausrichtung des DERIX Campus stellte hohe Anforderungen an Planung und Lieferkette: Zirkuläres Bauen nach Design-for-Disassembly erforderte detaillierte Verbindungskonzepte, einen digitalen Materialpass und Rückbauanleitungen. Die Beschaffung biobasierter, schadstofffreier Materialien und die frühe Integration von CO₂-Bilanz und Lebenszykluskostenanalysen waren komplex. Zudem sollte das Prinzip „Product as a Service“ (z. B. für Leuchtmittel und Aufzüge) angewendet werden – bei Leuchtmitteln realisiert, beim Aufzug aufgrund fehlender Anbieter bisher nicht umsetzbar.


