KOMFORT & GESUNDHEIT

Komfort und Gesundheit beim Bauen – Lebensqualität von Anfang an

Der Komfort von Gebäuden hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Produktivität der Menschen, die sie nutzen. Gleichzeitig spielt die Materialökologie – also der bewusste Einsatz von gesundheitlich und ökologisch unbedenklichen Baustoffen – eine zentrale Rolle im Nachhaltigen Bauen. Gerade im Kontext der EU-Taxonomie, der REACH-Verordnung sowie der Anforderungen von Nachhaltigkeitszertifizierungen gewinnt dieses Handlungsfeld immer mehr an Bedeutung. Ziel ist es, Räume zu schaffen, die nicht nur funktional und energieeffizient, sondern auch gesund und komfortabel für ihre Nutzer sind.

Mann liest Zeitung auf der Veranda eines aus Holz gefertigten Ferienhauses
Foto: Adobe Stock/Creative Commons

Schwerpunkte im Handlungsfeld Komfort und Gesundheit

Abbildung 1: Schwerpunkte im Handlungsfeld Nutzerkomfort und Gesundheit in der ENB

Ein gesunder Nutzerkomfort umfasst verschiedene Aspekte: Thermische Behaglichkeit, visuelle und akustische Qualität sowie eine hohe Innenraumlufthygiene sind entscheidend. Studien belegen, dass ein ausgewogenes Raumklima die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden maßgeblich steigert. Eine gute Luftqualität, eine gleichmäßige Raumtemperatur sowie optimale Lichtverhältnisse schaffen eine Umgebung, in der sich Menschen wohlfühlen und konzentrieren können. Normen wie die DIN EN 16798-1 und ASHRAE 55 definieren die Komfortbereiche, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten.

Im Bereich Materialökologie liegt der Fokus auf schadstoffarmen und emissionsfreien Produkten. Grenzwerte, etwa ≤ 500 µg/m³ für TVOC (flüchtige organische Verbindungen) und ≤ 30 µg/m³ für Formaldehyd, dienen als Richtwerte für gesunde Innenräume. Der Einsatz von VOC-armen Baustoffen, Möbeln und Bodenbelägen sowie von passiven und aktiven Lüftungssystemen tragen zur Verbesserung der Raumluftqualität bei. Umweltzeichen wie der „Blaue Engel“ geben zudem Orientierung über die ökologische Unbedenklichkeit der eingesetzten Materialien.

 

Herausforderungen

Trotz wachsender Bedeutung von Nutzerkomfort und Materialökologie gibt es in der Praxis zahlreiche Herausforderungen. Ein zentrales Problem ist die fehlende Standardisierung bei der Kontrolle der Baustoffe. Die meisten Prüfungen erfolgen bislang freiwillig im Rahmen von Nachhaltigkeitszertifikaten oder zur Erfüllung der EU-Taxonomie. Eine gesetzlich verpflichtende, flächendeckende Kontrolle existiert derzeit nicht, was die Qualitätssicherung erschwert – vor allem bei Projekten mit vielen Beteiligten und unterschiedlichem Know-how.

Darüber hinaus ist die Verfügbarkeit geeigneter, schadstoffarmer Baustoffe oft eingeschränkt. Lieferengpässe und mangelnde Transparenz bezüglich der Inhaltsstoffe erschweren die Auswahl. Oft sind innovative, umweltfreundliche Materialien noch mit höheren Kosten verbunden.

Chancen und Lösungsansätze

Trotz dieser Hürden bieten materialökologische Prinzipien zahlreiche Chancen. Digitale Produktdatenbanken unterstützen Planer und Bauherren bei der Auswahl schadstoffarmer und emissionsarmer Baustoffe. Sie liefern verlässliche Informationen zu Inhaltsstoffen, Prüfwerten und Umweltzertifikaten, wodurch Materialentscheidungen transparenter und fundierter werden. Besonders effektiv ist die frühzeitige Integration dieser Anforderungen in Planung und Ausschreibung – so lassen sich ökologische Standards von Anfang an verankern.

Weiterhin sind gezielte Schulungen aller Bau-Beteiligten wichtig – von Planern über Bauherren bis zu Ausführenden – um gesundheitsrelevante Materialauswahl und Anwendung zu verbessern. Bei Bestandsgebäuden empfiehlt sich eine systematische Schadstoffanalyse, um Altlasten zu erkennen und auszuschließen. Auch zirkuläre Planungskonzepte fördern die Schadstoffvermeidung, indem sie klebstoffreiche oder nicht rückbaubare Materialien vermeiden und auf Wiederverwendbarkeit achten.

Foto: ©Ronald Tilleman

Abbildung 2: Best Practice-Beispiel Verwaltungsgebäude Venlo (NL)

Ausblick

Der Trend geht klar dahin, die Nutzenden in den Mittelpunkt des Bauschaffens zu stellen und Materialökologie neben den klassischen Komfortaspekten stärker zu gewichten. Gesetzliche Vorgaben, technologische Innovationen und gesellschaftliche Erwartungen treiben diese Entwicklung voran. Digitale Planungstools wie BIM ermöglichen eine lückenlose Dokumentation und Rückverfolgbarkeit der verwendeten Materialien.

Langfristig entsteht durch die Verbindung von Materialökologie und Nutzerkomfort ein ganzheitlicher Qualitätsanspruch im Bauwesen. Gesunde Baustoffe verbessern nicht nur die Luftqualität, sondern unterstützen auch thermischen und akustischen Komfort. Naturmaterialien wie Holz oder Lehm vereinen niedrige Emissionen mit positiven bauphysikalischen Eigenschaften und fördern so das Wohlbefinden.

Um diese Potenziale flächendeckend zu nutzen, sind enge Kooperationen zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis erforderlich. Nur so lassen sich Innovationen dauerhaft etablieren und ein gesunder Gebäudebestand für heutige und zukünftige Generationen sichern.

Autoren

Vanessa Propach, Werner Sobek Green Technologies GmbH

Moritz Brombacher, Werner Sobek Green Technologies GmbH