Klimafreundliches Bauen: Verantwortung übernehmen – Zukunft gestalten
Die Bauwirtschaft trägt erheblich zu den globalen Treibhausgasemissionen bei. Sowohl die Auswahl emissionsarmer Bauweisen als auch die Anpassung von Gebäuden und Quartieren an die Folgen der globalen Erwärmung sind daher zentrale Herausforderungen für eine zukunftsfähige gebaute Umwelt. Klimafreundliches Bauen bedeutet nicht nur, Emissionen zu vermeiden, sondern auch lebenswerte, widerstandsfähige Lebensräume zu schaffen.
Die Exzellenzregion Nachhaltiges Bauen setzt deshalb einen Schwerpunkt ihrer Projekte auf das Handlungsfeld Klimaschutz und verfolgt dabei ambitionierte Ziele, um die Bauwirtschaft in Richtung Klimaneutralität zu transformieren.
Abbildung : Schwerpunkte im Handlungsfeld Klimaschutz in der ENB
Schwerpunkte im Handlungsfeld Klimaschutz
Das klimafreundliche Bauen basiert auf mehreren Säulen:
- Frühzeitige Ökobilanzierung: Im Planungsprozess werden verschiedene Bauweisen hinsichtlich ihrer Umweltwirkung verglichen, um die klimafreundlichste Variante auszuwählen.
- Klimaresilienz: Quartiere, Kommunen und Stadtgebiete werden so gestaltet, dass sie den Auswirkungen des Klimawandels, wie Hitze oder Starkregen, standhalten.
- Minimierung der Flächenversiegelung: Weniger versiegelte Flächen bedeuten weniger Aufheizung und bessere Wasseraufnahme.
- Biodiversitätsfördernde Gebäude: Erhalt von Vegetation auf Grundstücken, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie artenschutzgerechte Quartiersplanung steigern die ökologische Vielfalt und das Mikroklima.
- Standortbezogene Risikobewertung: Gebäude werden hinsichtlich lokaler Klimarisiken analysiert und entsprechend angepasst.
Herausforderungen
Die globalen Klimaveränderungen sind bereits spürbar: Extremwetterereignisse und heiße Sommer beeinflussen das Leben und die gebaute Umwelt immer stärker. Dennoch erfolgt die Entscheidung für Baukonstruktionen häufig noch auf Basis der Herstellungskosten statt der Treibhausgasemissionen („graue Emissionen“). Die erforderliche ganzheitliche Bewertung mit Fokus auf Klimawirkungen und Lebenszyklusemissionen ist noch nicht Standard.
Zudem führen steigende Temperaturen in Städten und Dörfern durch zunehmende Versiegelung zu massiver Aufheizung und Verlust von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere. Es besteht dringender Handlungsbedarf, nicht nur Emissionen zu reduzieren, sondern auch die gebaute Umwelt klimaresilient zu gestalten.
Chancen und Lösungsansätze
Der zunehmende Fokus auf klimafreundliches Bauen zeigt sich in konkreten Anreizen: Zinsgünstige Kredite und Nachhaltigkeitszertifikate setzen zunehmend Obergrenzen für Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden – inklusive der Herstellung. Ab 2026 wird die europäische Gebäuderichtlinie in Deutschland umgesetzt, die das Lebenszyklus-Treibhausgaspotenzial verpflichtend betrachtet und so die grauen Emissionen stärker in den Fokus rückt.
Zur Reduktion der grauen Emissionen tragen nachwachsende Rohstoffe, natürliche und lokale Baustoffe wie Lehm sowie die Wiederverwendung von Baumaterialien bei. Zusätzlich helfen Vulnerabilitätsstudien, Klimarisiken am Standort frühzeitig zu erkennen und in Planung und Bau zu integrieren.
Ein Biotopflächenfaktor trägt zur Minimierung der Versiegelung und Förderung der Biodiversität bei. Grüne und blaue Infrastruktur, etwa Dachbegrünungen, Fassadenbepflanzungen und naturnahe Wasserflächen schaffen lebenswerte, klimaresiliente Quartiere, die Mensch und Natur zugutekommen.
Abbildung: Best Practice-Beispiel "Bürogebäude Calwer Passage" in Stuttgart
Ausblick
Die Bauwirtschaft steht vor der großen Aufgabe, sowohl die Emissionen drastisch zu reduzieren als auch die gebaute Umwelt an die Folgen der globalen Erwärmung anzupassen. Durch den gezielten Einsatz von Baustoffen mit geringem CO₂-Fußabdruck können die Emissionen in der Herstellungsphase signifikant gesenkt werden. Gleichzeitig schaffen biodiversitätsfördernde Außenräume eine bessere Klimaresilienz und verbessern die Lebensqualität in Gebäuden, Quartieren und Städten.
Autoren
Moritz Zander, Werner Sobek Green Technologies GmbH
Nefeli Mavroeidi, Werner Sobek Green Technologies GmbH
Klimarisiken & Vulnerabilität
Im Zuge einer Standortanalyse werden Klimarisiken und Vulnerabilität für ein Gebäude identifiziert. Dabei sind Liegenschaft und Gebäude in Abhängigkeit von der jeweiligen Nutzung zu betrachten. Auf dieser Basis können ein Konzept zum Umgang mit den ermittelten Risiken sowie gezielte Maßnahmen zur Förderung der Klimaresilienz des Gebäudes festgelegt werden. Insbesondere das Risiko der Überhitzung durch immer heißere Sommer steht in enger Synergie mit dem standortbezogenen Energiekonzept eines Gebäudes.
Biodiversitätsstrategie
Eine vorbildliche Biodiversitätsstrategie für Gebäude und ihr Umfeld geht über gesetzliche Vorgaben hinaus und berücksichtigt die zukünftige Standortentwicklung. Sie beinhaltet z.B. die Integration von Freianlagen in Biotopverbünde, den Erhalt von Vegetation mit hohem ökologischem Wert, ein biodiversitätsförderndes Pflanzkonzept mit heimischen Arten, Dachbegrünung, Beleuchtungskonzepte, die Lichtverschmutzung vermeiden, sowie die Reduktion von Tierfallen. Ein Unterhaltungs- und Wartungspflegevertrag sichert die langfristig die ökologische Funktion.
Minimierung des Versiegelungsgrads
Die Minimierung des Versiegelungsgrads rund um Gebäude ist ein zentraler Hebel zur Verbesserung des Mikroklimas. Durch den Einsatz wasserdurchlässiger Beläge, begrünter Flächen und gezielter Entsiegelung wird die Versickerung von Regenwasser gefördert und die Aufheizung reduziert. Vegetation spendet Schatten, kühlt die Umgebung und verbessert die Luftqualität. So entsteht ein ausgeglichenes Mikroklima, das Aufenthaltsqualität und ökologische Funktionen gleichermaßen stärkt.
LCA-CO2-Bilanz
Eine planungsbegleitende Lebenszyklus-CO2-Bilanz von Gebäuden ermöglicht eine fundierte Ökobilanzierung über alle Phasen hinweg. Ziel ist die transparente Ermittlung des Global Warming Potentials, von der Herstellung der Baustoffe bis zum Rückbau. Durch frühzeitige Analyse können emissionsarme, möglichst regionale Materialien und effiziente Bauweisen gewählt werden. So lassen sich Umweltwirkungen für den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes gezielt reduzieren.