Das Gründungszentrum in der Luisenstraße 32 in Krefeld entsteht durch die nachhaltige Sanierung einer ehemaligen Textilfabrik aus den 1920er-Jahren. Ziel ist es, einen zentralen Ort für Gründung, Innovation und nachhaltige urbane Produktion in der Krefelder Innenstadt zu schaffen. Das Zentrum bietet flexible Arbeitsräume, Veranstaltungs- und Gemeinschafträume sowie Beratungsangebote für Gründende in den Schwerpunkten Kreislaufwirtschaft und Impact. Neben der Förderung von Unternehmensgründungen steht insbesondere die Entwicklung nachhaltiger Geschäftsmodelle im Fokus. In Kooperation mit der Circular Valley Stiftung wird das Gebäude gleichzeitig als Demonstrator für zirkuläres Bauen und ressourcenschonende Immobilienentwicklung genutzt. Durch die Revitalisierung eines lange leerstehenden Bestandsgebäudes stärkt das Projekt die lokale Ökonomie, fördert Innovation und trägt zur nachhaltigen Stadtentwicklung sowie zur Aufwertung der Krefelder Innenstadt bei.
Handlungsfeld Nachhaltigkeit
Dieses Projekt leistet in den folgenden Handlungsfeldern einen Beitrag zur Nachhaltigkeit:
Beitrag des Projekts zum Thema „Ressourcen und Zirkularität“
Bei dem Projekt handelt es sich um die Revitalisierung einer ehemaligen Fabrik aus den 1920er-Jahren, die rund 20 Jahre leer stand. Durch die Umnutzung des Bestandsgebäudes zum Gründungszentrum wird vorhandene Bausubstanz erhalten und weiterentwickelt, statt neue Flächen zu versiegeln. Die Sanierung erfolgt unter Berücksichtigung nachhaltiger Bauprinzipien und zirkulärer Materialstrategien. Ziel ist es, möglichst viele vorhandene Materialien zu erhalten oder wiederzuverwenden und die Immobilie langfristig flexibel nutzbar zu gestalten. Durch diese Bestandsentwicklung wird Leerstand reduziert und gleichzeitig ein Impuls für die nachhaltige Entwicklung der Innenstadt gesetzt.
Das Gründungszentrum verfolgt einen klaren Ansatz des zirkulären Bauens. Bereits während der Sanierungsphase werden vorhandene Materialien geprüft, möglichst wiederverwendet oder in neue Nutzungen überführt. Entscheidungen zur Materialwahl orientieren sich nicht nur an gestalterischen Kriterien, sondern auch an Ressourceneffizienz, Rückbaubarkeit und langfristiger Nutzbarkeit. Der Bau dient gleichzeitig als Demonstrator für zirkuläre Bauweisen und ermöglicht Unternehmen Einblicke in Materialwahl, Planung und Entscheidungsprozesse. Durch Baustellenführungen und Veranstaltungen wird das Gebäude zu einem Lernort für nachhaltiges und kreislaufgerechtes Bauen.
Im Rahmen der Sanierung werden nachhaltige Materialien bevorzugt eingesetzt. Dazu zählen recycelte und wiederverwendbare Baustoffe sowie möglichst schadstoffarme Materialien. Ziel ist es, Materialkreisläufe zu schließen und den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Darüber hinaus wird ein effizientes Abfallmanagement umgesetzt, das Wiederverwendung und Recycling von Baustoffen fördert. Dieser Ansatz orientiert sich an Prinzipien des „Cradle-to-Cradle“-Gedankens sowie an Anforderungen für gesundes und ressourcenschonendes Bauen. Beim Innenausbau kommen Strohbauwände, ReUse-Brandschutztüren, Glastrennwände sowie zirkuläre Raum-in-Raum-Systeme zum Einsatz.
Beitrag des Projekts zum Thema „Klimaschutz“
Im Rahmen der Entwicklung des Gründungszentrums werden verschiedene Maßnahmen zur Klimaanpassung umgesetzt. Dazu zählt insbesondere die geplante Entsiegelung des Innenhofs, um Regenwasser versickern zu lassen, Hitzeinseln zu reduzieren und das Mikroklima zu verbessern. Ergänzend sind Begrünungsmaßnahmen an Fassade und Dach, klimaresiliente Pflanzen sowie Regenwassermanagement vorgesehen. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Klimaresilienz des Standorts zu erhöhen und gleichzeitig ökologische Funktionen in der dicht bebauten Innenstadt zu stärken.
Der wesentliche Beitrag zum Klimaschutz liegt in der Revitalisierung des bestehenden Fabrikgebäudes. Durch den Erhalt und die Weiterentwicklung der vorhandenen Bausubstanz werden erhebliche Mengen sogenannter grauer Emissionen vermieden, die bei einem Abriss und Neubau entstehen würden. Die Kombination aus Bestandsnutzung, Wiederverwendung von Materialien und ressourcenschonender Sanierung reduziert den ökologischen Fußabdruck des Projekts bereits in der Bauphase erheblich.
Beitrag des Projekts zum Thema „Komfort und Gesundheit“
Das Gründungszentrum wird mit besonderem Fokus auf Gesundheit, Wohlbefinden und Aufenthaltsqualität entwickelt. Emissionsarme Baustoffe sowie schadstoffarme Materialien schaffen die Grundlage für eine gesunde Innenraumumgebung. Ergänzend sorgen natürliche Belüftungsmöglichkeiten und eine gute Tageslichtversorgung für attraktive und nutzerfreundliche Arbeitsbedingungen.
Das Raumkonzept fördert sowohl konzentriertes Arbeiten als auch Austausch und Zusammenarbeit. Flexible Raumstrukturen, Besprechungsbereiche, Gemeinschaftsflächen und offene Kommunikationszonen ermöglichen unterschiedliche Nutzungen und können an zukünftige Anforderungen angepasst werden. Begrünte Außenbereiche und die geplante Aufwertung des Innenhofs tragen zusätzlich zu einer angenehmen Arbeitsatmosphäre bei.
Die Entwicklung des Gründungszentrums erfolgt in engem Austausch mit regionalen Akteur*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gründungsszene, um die Bedürfnisse zukünftiger Nutzer*innen frühzeitig zu berücksichtigen. Ergänzend fördern die zentrale Innenstadtlage, die Nähe zum Hauptbahnhof sowie Fahrradabstellmöglichkeiten und E‑Bike-Ladeinfrastruktur eine nachhaltige und komfortable Mobilität.
Beitrag des Projekts zum Thema „Energie“
Im Rahmen der Sanierung wird das Gebäude energetisch umfassend modernisiert. Dazu gehören Maßnahmen zur Verbesserung der Gebäudehülle, eine energieeffiziente Gebäudetechnik sowie der Einsatz erneuerbarer Energien. Geplant sind unter anderem Photovoltaikanlagen mit Speicher auf den Dachflächen sowie ein Luftwärmepumpen. Ergänzend werden energieeffiziente Beleuchtungssysteme und moderne Haustechnik installiert. Ziel ist es, den Energieverbrauch des Gebäudes deutlich zu reduzieren und langfristig einen klimafreundlichen Gebäudebetrieb zu ermöglichen.
Beitrag des Projekts zum Thema „kostenoptimiertes Planen und Bauen“
Bei der Planung und Umsetzung des Projekts wird ein ganzheitlicher Ansatz verfolgt, der neben den Baukosten auch langfristige Betriebs- und Instandhaltungskosten berücksichtigt. Durch eine phasenweise und dem Bedarf angepasste Innenraumausstattung und flexible Nutzungsmöglichkeiten werden Ressourcen geschont. Gleichzeitig wird auf langlebige Materialien, flexible Raumstrukturen und eine anpassungsfähige Nutzung geachtet, um spätere Umbaukosten zu reduzieren. Dieser Ansatz ermöglicht eine nachhaltige und wirtschaftlich tragfähige Nutzung des Gebäudes über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg.
Für den Betrieb des Gründungszentrums sollen technische Systeme und Gebäudedaten kontinuierlich überwacht und ausgewertet werden. Durch Sensorik und regelmäßige Messungen, beispielsweise von Raumtemperatur und Luftqualität, können Betriebsdaten analysiert und Optimierungspotenziale identifiziert werden. Dieses Monitoring ermöglicht eine effiziente Steuerung der Gebäudetechnik und trägt dazu bei, Energieverbrauch und Betriebskosten langfristig zu reduzieren sowie den Nutzerkomfort zu verbessern.
Prozessinnovationen:
Eine zentrale Innovation des Projekts ist die Verbindung von Gründungsförderung, nachhaltiger Immobilienentwicklung und Kreislaufwirtschaft. Mit dem Circular Valley Construction Hub entsteht im Gebäude eine Plattform, die Unternehmen, Start-ups, Wissenschaft und Wirtschaft miteinander vernetzt, um neue Lösungen für zirkuläres Bauen und nachhaltige Wertschöpfung zu entwickeln. Das Gebäude fungiert dabei nicht nur als Arbeitsplatz für Gründerinnen und Gründer, sondern auch als Demonstrations- und Lernort für innovative Ansätze in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Dadurch werden nachhaltige Geschäftsmodelle, Materialkreisläufe und regionale Kooperationen aktiv gefördert.
Eine besondere Prozessinnovation bestand in der frühzeitigen Analyse des Gebäudebestands und der systematischen Bewertung vorhandener Materialien hinsichtlich ihrer Wiederverwendbarkeit. Bereits vor Beginn der Sanierungsarbeiten wurden Bauteile erfasst, dokumentiert und in den Gestaltungsprozess integriert. So entsteht beispielsweise ein Pavillon im Innenhof aus geborgenen Ziegeln, Dachpfannen, Stahlträgern und Dachfenstern des Bestandsgebäudes. Darüber hinaus wurden im Rahmen der Ausschreibungen sowohl nachhaltige Neuprodukte als auch ReUse-Produkte berücksichtigt, um Materialkreisläufe aktiv zu fördern. Dieser Ansatz verbindet Bestandsentwicklung, Kreislaufwirtschaft und Innovationsförderung in einem für die Region beispielhaften Projekt.
Herausforderungen des Projektes:
Eine zentrale Herausforderung des Projekts liegt in der nachhaltigen Revitalisierung eines lange leerstehenden Bestandsgebäudes. Die Fabrik aus den 1920er-Jahren befand sich in einem entkernten und sanierungsbedürftigen Zustand, wodurch umfangreiche bauliche und technische Maßnahmen erforderlich waren. Gleichzeitig gilt es, moderne Anforderungen an Energieeffizienz, flexible Nutzung und nachhaltige Bauweisen mit der vorhandenen Gebäudestruktur zu verbinden. Darüber hinaus erfordert die Umsetzung innovativer Ansätze wie das zirkuläre Bauen eine wirtschaftliche Risikobereitschaft und eine hohe Bereitschaft aller Beteiligten, standardisierte Prozesse und eingeübtes Denken zu hinterfragen und neue Wege zu gehen, manchmal auch zweigleisig zu fahren, um bei aller Offenheit auch dem Bauzeitenplan gerecht zu werden. Diese komplexe Abstimmung stellt hohe Anforderungen an Planung, Koordination und Projektmanagement.


